Fresku – In De Lucht Teil 1 (LP)
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Fresku über seine erste unabhängige Platte, In De Lucht Part I:
„In de lucht ist ganz natürlich und organisch entstanden, und ich hoffe wirklich, dass man das auch hört. Bevor ich mit den Aufnahmen begann, habe ich ein Jahr so gut wie nichts gemacht, auch wegen der ganzen Corona-Situation. Im März und April 2020 hatte ich noch die Hoffnung, dass das Virus schnell verschwindet und ich wieder auf Tour gehen kann, aber ja, little did I know. Ich war damals ziemlich down, und ich hatte ein schlechtes Gefühl dabei, drei meiner Lieblingskünstler zu fragen, ob sie mit mir zwei Wochen in ein Writing Camp fahren und an meinem neuen Album arbeiten. Ich dachte: Was, wenn es nicht klappt? Was, wenn sich meine Stimmung auf die Musik überträgt? Verlange ich dann nicht zu viel von Lennard, Mucky und Shadi? Aber am Ende hat genau dieser Ansatz richtig gut funktioniert. Es steckte offenbar eine Menge aufgestaute Inspiration in mir, die auf einmal herauskam.
Ich weiß noch, wie ich eines Tages im Studio saß … Lennard hatte gerade etwas abgemischt und nahm seinen Kopfhörer ab, ich war schon mit einem anderen Track beschäftigt und wusste ehrlich gesagt nicht mehr, wie unser Song von vorhin klang. Dann spielte Lennard den frisch gemischten Track ab, und der hat mich voll erwischt. Ich fing an zu heulen. Vor Glück, natürlich. Ich spürte: Das ist genau das, wovon ich bei diesem Album geträumt habe. Das ist der Sound, den ich wollte. Ich habe die richtigen Leute zusammengebracht, und in kurzer Zeit haben wir wirklich etwas Neues gemacht. Ich bin mir auch sicher, dass das meine intuitivste Platte überhaupt geworden ist. Ich habe wirklich gemacht, was ich gefühlt habe, let’s go, bam. Manchmal habe ich Bars geschrieben, ohne zu zählen. Dann dachte ich nicht: Wir rechnen jetzt aus, wie lang ein Part sein muss, wir haben einfach aufgenommen. Normalerweise bin ich jemand, der Dinge analysiert und zerdenkt, jetzt bin ich ganz in den Moment eingetaucht. Und ich hoffe sehr, dass man das der Platte anhört. Genauso wie ich hoffe, dass man hört, dass wir etwas Neues versucht haben, das trotzdem zu meinen früheren Alben passt.
In de lucht fühlt sich für mich unbefangener an als der frühere Fresku. Vor Jahren wollte ich Themen oft bis ins Letzte durchkauen. Jetzt denke ich: Wenn wir diesen Moment einfangen, diesen Vibe, dann ist das genau richtig. Auf früheren Alben dachte ich manchmal: Die Leute müssen wirklich wissen, dass ich es ernst meine. Aber damit habe ich den Hörern manchmal den Raum genommen, selbst etwas zu finden oder zu fühlen oder selbst auf etwas zu kommen. Ich glaube, ich mache jetzt Musik, die nichts aufdrängt und die den Hörer natürlich und locker mitnimmt. Das hat auch mit meinem Alter zu tun: Niemand will einen relativ alten Rapper hören, der belehrend oder besserwisserisch klingt.
Für mich geht es bei diesem Album sehr um Intuition. Um das Gefühl, dass etwas in der Luft liegt. Und nicht genau zu wissen, was dabei herauskommt; auch nicht zu wissen, ob du gerade fliegst oder landest. Dieser Zweifel, dieses Unsichere – darum dreht sich dieses Album für mich. In de lucht ist der erste Teil eines geplanten Zweiteilers; die zweite Platte soll mehr von dem Gefühl handeln, dass du abhebst, vom Überblick. Ich weiß noch, wie ich während einer unserer Aufnahmesessions auf Teneriffa die Treppe hinunterging, die Sonne schien grell und gleichzeitig sah ich die Wolken um mich herum (so hoch waren wir). Es fühlte sich an, als wäre ich im Loading Room aus Matrix gelandet, als würde ich im unendlichen Nichts schweben. Es war magisch. Und dieser hoffnungsvolle, kraftvolle Ton ist etwas, das noch wenige Leute von mir kennen: Ich habe viel über meinen Weg zum Erfolg gerappt, über die Struggles, über die Mentalität, die man braucht, um die Struggles zu überwinden. Ab jetzt will ich in meiner Arbeit auch immer mehr andere Themen behandeln.
Alles in allem fühlt sich In de lucht wirklich wie ein neues Debüt an. Das liegt auch daran, dass es mein erstes unabhängiges Release ist – nach zwölf Jahren TopNotch war es Zeit dafür. Ein neues Kapitel. Die Rolle des erfahrenen Rappers oder der Legende, oder wie andere mich manchmal nennen, traue ich mir jetzt auch etwas mehr zu als früher. Und es begeistert mich, Musik ohne Kompromisse zu machen. Jetzt entscheide ich alles selbst und kann noch etwas mehr Gas geben. Wenn du alles einsetzt, so wie ich jetzt, gehst du natürlich mehr Risiko ein, aber du kannst die Dinge auch genau so umsetzen, wie du sie dir vorstellst. Das steckt in vielen kleinen Details: Ich bin jemand, der so ein ausführliches Booklet zu einer LP haben will. Und in Zukunft will ich das Label Baranka Schritt für Schritt ausbauen. Ganz vorsichtig, nur wenn ich in jemanden die Zeit investieren kann, die ich auch in mich selbst investiere. Aber da kommt schöner Shit, pass nur auf. Das ist ein neuer Anfang.“